Unvorhergesehenes im TEC21 48/2018

Mit einer Publikation habe ich ja fast gar nicht mehr gerechnet. Vor einigen Monaten hatte ich einen kleinen, amüsanten Text verfasst, der mir bei einem Spaziergang durch Buenos Aires in den Sinn kam. Jetzt freut es mich, dass er doch bei einigen für Heiterkeit sorgt:

«Kennen Sie eigentlich Cala­trava? Klar. Sieht man ja auch überall. In Lateinamerika gibt es aber nur einen. Also ein Bauwerk. Von Cala­trava. In Buenos Aires. Ein Ein­wanderer. Mein Taxifahrer hierher war auch ein Einwanderer. Aus Kuba. Wie fast alle hier. Also Einwanderer. Die kommen von überall her. Nicht alle aus Kuba. Viele auch aus Europa.
Aber wir sind ja bei architektonischen Einwanderern. Kennen Sie eigentlich den Olivetti-­Turm von Eiermann? Klar. Gehört ja zur Grundbildung. Der ist auch ausgewandert. Hier heisst er jetzt Torre IBM. Direkt neben Calatrava steht noch so ein Einwanderer. Ein Ha­fenkran aus Eberswalde. Einen Zweck hat er nicht. Sieht aber gut aus. Dabei ist Deutschland ja nicht gerade bekannt für seine gut ausse­henden Auswanderer. Von Heidi Klum vielleicht mal ab­gesehen.
Aber da sind wir wieder bei Menschen. Dabei soll es hier doch um Architektur gehen. Oder um Einwanderer. Der Hafenkran aus Brandenburg ist ja auch so einer. Und er ist nicht allein. Die Prome­nade des Puerto Nuevo ist voll davon. Aber foto­grafiert wird nur der Cala­trava. Also die Brücke, nicht der Architekt. Der spricht ja wenigstens spanisch. Also der Architekt, nicht die Brücke.»

Vortrag an der ETH Zürich

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Anette Spiro hatte ihr Semester begonnen, indem sie ihre Studenten mit einer Polaroid-Kamera in das in den kommenden Monaten zu beplanende Gebiet schickte, um mit wenigen Aufnahmen die Umgebung zu erforschen. Um den Studenten etwas Inspiration und eine kleine Hilfe an die Hand zu geben, wurde ich eingeladen, in einer Vorlesung darzustellen, welche Herangehensweisen möglich sind und welche Ergebnisse diese erzeugen können.

Ich liebe solche Ausflüge in die akademische Welt. So fand ich mich hier auf einer Liste mit Rem Koolhaas, Peter Zumtor und vielen anderen wieder. - Welch eine Ehre.

Ganz schön bunt

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Fast jeder Berner - und nicht nur die Fussballfans - kennen das Wankdorfsstadion. Selbst wenn man nichts mit YB am Hut hat, oder generell Fussballverächter ist, kommt man für die wöchentliche Vorratsaufstockung kaum am dem Stadion angegliederten Einkaufszentrum vorbei. Bisher war es eher eine praktische Entscheidung: gute Erreichbarkeit, Parkplätze nebenan und einer der grössten Supermärkte der Schweiz. Wenige wussten, dass das Obergeschoss noch die Möglichkeit für eine kulinarische Pause bot und die, die es wussten waren weniger interessiert.

Das hat sich nun geändert. Coop beauftragte Roland Schaad (objekt13) mit der Neugestaltung und Konzeptierung des Bereichs. Die Decke wurde zum Eyecatcher, der bereits aus dem Erdgeschoss die Leute anlockt. Kommt man dann nach oben, lädt eine heterogen gestaltete, gemütliche Atmosphäre zum Verweilen ein. Eine Lounge und ein Kinderspielplatz sind zudem noch zielgruppenorientierte Rückzugsgebiete. Im zweiten hat nun ein internationaler Fastfoodanbieter Einbauten vorgenommen. Der ursprünglich gestaltete Raum ist daher nur noch auf den Bildern zu sehen. Da zeigt sich mal wieder, welche Bedeutung die Architekturfotografie für die Vermittlung von gestalterischen Konzepten und Umsetzungen ist.

Das Bild von mir bei den Aufnehmen hat Roland Schaad gemacht, den ich auch noch im Rundloch in der Wand portraitieren durfte.

Fotospaziergang durch Brasília

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Eine fast 60-jährige Stadt mit verblüffender Modernität

Als 1960 die von Oscar Niemayer geplante Stadt der Regierung übergeben wurde, waren rund 500 000 Bewohner vorgesehen. Fast 60 Jahre später ist die Einwohnerzahl auf mehr als das Sechsfache gestiegen. Trotzdem wirken die Strassen menschenleer. Bei einem Spaziergang entsteht daher ein Bild, das dem Eindruck vor 60 Jahren ähnelt. Fotogen setzt sich jeder Blickwinkel neu in Pose und bietet im Zusammenspiel der eleganten, gefällig inszenierten Gebäudeformen und -details attraktive Sujets für Bildkompositionen.

Es ist ein schönes Kompliment, wenn die Redakteure sich nicht entscheiden können, welche Bilder sie zeigen möchten. Beim TEC21 gab es daher eine rege Diskussion – weniger was zu zeigen sei, mehr darum welche Bilder ausgelassen werden. Aus ca. 150 Aufnahmen wählten die Redakteurin Hella Schindel und die Grafikchefin Anna Lena Walter nun rund drei Duzend für die Homepage und 4 für den Print ausgewählt. 

Geniessen Sie einen architekturfotografischen Spaziergang durch die Niemeyer Stadt.  

Pool im Sommer

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Die Architekturfotografie bedarf eines hohen Einfühlungsvermögens in das Entwurfsdenken des gestaltenden Planers. Dies ist ein Prozess, der oft nicht ganz leicht ist. Meine Ausbildung und Erfahrungen als Architekt helfen mir oft dabei, Ecken zu entdecken, die den Entwurfsgedanken widerspiegeln und im besten Fall sogar tragen können.

Es gibt Situationen, da könnte jedes Kind einen dringenden Bedarf der entstandenen Elemente nachempfinden. Ähnlich war es bei mir heute. Fast 40 °C unter unverschatteter Sonne lösten einen fast unbändbaren Drang in mir aus, die Wasserqualität des neu gebauten Pools im Selbstversuch am ganzen Körper zu prüfen. Ich konnte widerstehen. Ach, ich springe nachher in den See und tu so als würde ich die ganze Stadt zu mir einladen. 

Das Ergebnis des Shootings können Sie übrigens hier begutachten: